Sigmund Freud
* 5.6.1856, Freiberg (Příbor), Mähren (Tschechische Republik)
† 23.9.1939, 20 Maresfield Gardens, Hampstead, London
Begründer der Psychoanalyse
"Vom Jahre 1902 an scharte sich eine Anzahl jüngerer Ärzte um mich in der ausgesprochenen Absicht, die Psychoanalyse zu erlernen, auszuüben und zu verbreiten." (1914d, 63) Aus dieser "Psychologischen Mittwoch-Gesellschaft konstituiert sich 1908 die Wiener Psychoanalytischen Vereinigung, der Freud von 1911 bis 1938 vorstand. Mit Ferenczi initiiert er 1910 die Internationale Psychoanalytische Vereinigung.
Geboren in Freiberg/Mähren, lebt und arbeitet in Wien bis zur Emigration 1938 nach London.
My name is Sigmund Freud
"I started my professional activity as a neurologist trying to bring
relief to my neurotic patients. Under the influence of an older friend
and by my own efforts I discovered some important new facts about the
unconscious in psychic life, the role of instinctous urges and so on.
Out of these findings grew a new science psychoanalysis, a part of
psychology, and a new matter of treatment of the neuroses.
(...)
In the end I succeeded in acquiring pupil and ending up in an
International Psychoanalytic Association. But the struggle is not yet
over.“
„Im Alter von zweiundachtzig Jahren verließ ich als Folge der deutschen
Invasion mein Heim in Wien und kam nach England, wo ich mein Leben in
Freiheit zu enden hoffe.
My name is Sigmund Freud.“
Recorded 7.12.1938, BBC London
Selbstdarstellung:
"Zwei Themen ziehen sich durch diese Arbeit, das meiner Lebensschicksale und das der Geschichte der Psychoanalyse. Sie treten in die innigste Verbindung zueinander. Die “Selbstdarstellung” zeigt, wie die Psychoanalyse mein Lebensinhalt wird" (Freud, 1935a, 31)
"Ich bin am 6. Mai 1856 zu Freiberg in Mähren geboren, einem kleinen Städtchen der heutigen Tschechoslowakei. Meine Eltern waren Juden, auch ich bin Jude geblieben. Von meiner väterlichen Familie glaube ich zu wissen, daß sie lange Zeiten am Rhein (in Köln) gelebt hat, aus Anlaß einer Judenverfolgung im vierzehnten oder fünfzehnten Jahrhundert nach dem Osten floh und im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts die Rückwanderung von Litauen über Galizien nach dem deutschen Österreich antrat. Als Kind von vier Jahren kam ich nach Wien, wo ich alle Schulen durchmachte. Auf dem Gymnasium war ich durch sieben Jahre Primus, hatte eine bevorzugte Stellung, wurde kaum je geprüft. Obwohl wir in sehr beengten Verhältnissen lebten, verlangte mein Vater, daß ich in der Berufswahl nur meinen Neigungen folgen sollte. Eine besondere Vorliebe für die Stellung und Tätigkeit des Arztes habe ich in jenen Jugendjahren nicht verspürt, übrigens auch später nicht. Eher bewegte mich eine Art von Wißbegierde, die sich aber mehr auf menschliche Verhältnisse als auf natürliche Objekte bezog und auch den Wert der Beobachtung als eines Hauptmittels zu ihrer Befriedigung nicht erkannt hatte. Indes, die damals aktuelle Lehre Darwins zog mich mächtig an, weil sie eine außerordentliche Förderung des Weltverständnisses versprach, und ich weiß, daß der Vortrag von Goethes schönem Aufsatz “Die Natur” in einer populären Vorlesung kurz vor der Reifeprüfung die Entscheidung gab, daß ich Medizin inskribierte.
Die Universität, die ich 1873 bezog, brachte mir zunächst einige fühlbare Enttäuschungen. Vor allem traf mich die Zumutung, daß ich mich als minderwertig und nicht volkszugehörig fühlen sollte, weil ich Jude war. Das erstere lehnte ich mit aller Entschiedenheit ab. Ich habe nie begriffen, warum ich mich meiner Abkunft, oder wie man zu sagen begann: Rasse, schämen sollte. Auf die mir verweigerte Volksgemeinschaft verzichtete ich ohne viel Bedauern. Ich meinte, daß sich für einen eifrigen Mitarbeiter ein Plätzchen innerhalb des Rahmens des Menschtums auch ohne solche Einreihung finden müsse. Aber eine für später wichtige Folge dieser ersten Eindrücke von der Universität war, daß ich so frühzeitig mit dem Lose vertraut wurde, in der Opposition zu stehen und von der “kompakten Majorität” in Bann getan zu werden. Eine gewisse Unabhängigkeit des Urteils wurde so vorbereitet." (Freud, 1925d [1924], 34-35)
Literatur, Quellen, Links:
Freud, Sigmund (1914d): Zur Geschichte der Psychoanalytischen Bewegung. GW X, 43-113.
Freud, Sigmund (1925d [1924]): Selbstdarstellung. GW XIV, 31-96.
Freud, Sigmund (1935a): Nachschrift 1935 zur „Selbstdarstellung“. GW XVI, 31-34.
http://www.archive.org/details/BbcInterview
http://www.youtube.com/watch?v=_sm5YFnEPBE
http://www.youtube.com/watch?v=5jJ6Lhk1pNg&feature=related
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