Bénédict Augustin Morel
* 1809/11/22
† 1873/03/30
Geboren am 22. November 1809 in Wien; † 30. März 1873 in Saint-Yon bei Paris. Morel war Lehrer später Arzt und Psychiater, gläubiger Katholik. 1957 stellte er seine Degenerationstheorie vor. Seine Vorstellungen von Dégénérescence („Degeneration, Entartung“) wurzelten nicht nur in der naturwissenschaftlichen Medizin sondern beziehen Religion und Anthropologie mit ein. Die Degenerationslehre verbreitete sich in Wissenschaft und Öffentlichkeit rasch, Armut, Alkoholismus, Kriminalität, Geisteskrankheiten wurden damit als natürliche Gesetzmäßigkeiten erklärt und diese legitimierten das Wegsperren der Betroffenen.
Morels Degenerationstheorie
Alles nimmt mit dem Sündenfall seinen Anfang, wo Morel den »type
primitif« und »type normal« verortet, der Ursprungsmensch. Nach der
Vertreibung aus dem Paradies ist der Mensch Umwelteinflüssen
ausgeliefert und entfernt sich vom Ursprungsmenschen, den er mit Adam
identisch setzt. Die Nachkommen teilen sich in zwei Gruppen, die eine
bleibt durch Anpassung und Gottesgläubigkeit gesund, die andere entartet
durch zu große Belastungen.
Die Gruppe der Entarteten zeichnen sich
durch körperliche und moralische Vererbung aus und für ihn ist
Erblichkeit die Hauptursache für Geisteskrankheit. Zu den Entartungen
zählen auch sexuelle Abweichungen. Diese Degenerationserscheinungen
nehmen über Vererbung bis hin zum Aussterben und entwickelt sich über
Generation in vier Stadien:
- charakterliche Anomalien
- körperliche Krankheiten
- schwere Geistige Störungen
- angeborene Debilität, Missbildungen
Seine Theorie verbreitete sich rasch in der Wissenschaft, wie auch in
der Öffentlichkeit. Bald konnte sich ein jeder auf die “natürlichen
Gesetze“ berufen und die progressive Degeneration wurde zu einer
offenkundigen Tatsache, die auf Schritt und Tritt sichtbar war:
Alkoholismus, Armut, Kriminalität, volle Nervenheilanstalten.
Zu Entwicklung und Einfluss der Degenerationslehre:
Schon
im 17. Jahrhundert verwendete man diesen Begriff wertend, Ende des 18.
Jahrhunderts beginnt man über die Erblichkeit von Krankheiten zu
überlegen, was Jean-Baptiste de Lamarck zu einer Theorie auch von
erworbenen Merkmalen und Erfahrungen ausarbeitete - theoretischer
Gegenpol zu den Theorien Darwins.
Charles Darwins versteht
Degeneration als Regression auffasst: Krank machender Einfluss hemmt die
progressive Entwicklung, also geht diese rückwärts bis zum Aussterben.
Auch
Prosper Lucas geht von einer Vererbung erworbener psychischer
Charakteristika aus, nennt aber keine Erklärung, hier setzt Morel an.
Die
Degenerationslehre verbreitete sich in Wissenschaft und Öffentlichkeit
rasch, Armut, Alkoholismus, Kriminalität, Geisteskrankheiten wurden
damit als natürliche Gesetzmäßigkeiten erklärt und diese legitimierten
das Wegsperren der Betroffenen.
Diese Lehre war für Jahrzehnte in
der französischen Psychiatrie bestimmend, beeinflusste auch die
deutsche Psychiatrie vor allem Paul Julius Möbius,
Primärliteratur - Bénédict Augustin Morel:
(1857): Traité des dégénérescences physiques, intellectuelles et morales de l’espèce humaine et des causes qui produisent ces varitétés maladives. Paris
Abhandlung über die physischen, intellektuellen und moralischen Entartungen des Menschengeschlechts
Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%A9n%C3%A9dict_Augustin_MorelText CD 2009

